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Nachdem vier der Gründer der Bläsergemeinschaft „Mosella“ – und zwar
Willi Lellmann, Clemens Thelen, Günter Thelen, Robert Schunk
- später kam noch Erwin Christ (Tenorhorn) hinzu - bereits im Jahre 1955 den Entschluss umgesetzt hatten, zum Zweck der Gründung einer Blaskapelle hier in Oberfell tätig zu werden und nachdem weitere Interessenten ihre Bereitschaft zur Mitgründung einer Musikkapelle bekundet hatten, konnte die erste Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl einberufen werden. Diese fand statt am Mittwoch, dem 21. November 1956 – Buß- und Bettag – in der Wohnung von Clemens Thelen im Alkener Weg (vormals Georg Michel, heutiges Haus Caspary). An der Versammlung nahmen teil:
Adolf Fischer Andreas Lellmann Willi Lellmann Rudi Möntenich Herbert Schunk Robert Schunk Theo Schweisthal Clemens Thelen Günther Thelen Ernst Verhagen.
Richard Fischer und Erwin Kühn, die sich ebenfalls schon zum Mitmachen angemeldet hatten, waren erkrankt und konnten den Versammlungstermin nicht wahrnehmen. (Festkommers Musikfest 1980; Verbandsbürgermeister Anton Gräf (rechts unten) und Ortsbürgermeister Horst-Josef Meurer (unten, zweiter von links) bei der Ehrung von Gründern; unten Mitte: Weinkönigin Elke; im Hintergrund: Musikkameraden aus Oeventrop und Wildemann)
Die o.a. Versammlungsteilnehmer fassten den Beschluss, künftig eine „Gemeinschaft“ zu bilden mit dem vorrangigen Ziel, die musikalische Begleitung der jährlichen Dreifaltigkeitsprozession auf den Bleidenberg sowie der Fronleichnams-Prozession sicherzustellen und zu erhalten. Ferner wollte man in Oberfell auch bei den Anlässen auftreten, die früher von älteren Musikern wahrgenommen worden waren. (z.B. St. Martins-Umzug).
Auf Vorschlag von Clemens Thelen erhielt diese Gemeinschaft den Namen „Bläsergemeinschaft Oberfell“. Erwin Kühn brachte später den Vorschlag ein, der Bläsergemeinschaft den klangvollen Namen „Mosella“ zu geben. Dieser Vorschlag fand begeisterte Zustimmung und fortan firmierte die Musikkapelle unter dem Namen Bläsergemeinschaft „Mosella“ Oberfell.
In den ersten Vorstand wurden von der Versammlung gewählt:
Zum 1. Vorsitzenden Willi Lellmann zum 2. Vorsitzenden Clemens Thelen zum Kassierer Günther Thelen zum Schriftführer Rudi Möntenich
Eine Vereinsordnung (verfasst von Clemens Thelen) wurde im Jahr 1959 erstellt. Sie ist im Anschluss an dieses Kapitel abgedruckt. Auch ein Probengeld (eine Art Mitgliedsbeitrag) wurde festgesetzt. Es betrug 1,- DM pro Probe. Ferner waren von jedem Mitglied einmalig 5,- DM für die Beschaffung von Noten zu entrichten. Die Aufnahme inaktiver Mitglieder wurde nicht vorgesehen.
Wie ging es dann weiter? Nach der Vorstandswahl musste man an organisatorische Maßnahmen denken. Als erstes musste ein geeignetes Probelokal gesucht werden. Als geradezu ideal erschien hier das damalige Gasthaus „Moseltal“ (Wwe Katharina Meurer) – man sagte auch „Bei Metzekläse“ - da hier zum Proben und für evtl. spätere Festlichkeiten ein großer Tanzsaal zur Verfügung stand. Geprobt wurde unten in der Gaststube. Für einige der neu hinzugekommenen Musiker mussten Instrumente besorgt werden. Neue Instrumente waren teuer, man zog es vor, zunächst an einem gebrauchten Instrument zu probieren, wie begabt man überhaupt war. Die Bläsergemeinschaft trat daher an ältere Musiker heran (z.B. an solche, die früher schon mit zum Bleidenberg gegangen waren), um zu erreichen, dass diese ihr nicht mehr benötigtes Instrument zur Verfügung stellten. So erhielt man für Adolf Fischer das Helikon (Baß-Horn) von Matthias Probst aus Alken. Herr Johann Meurer (Grollese Hännes) stellte sein ES-Horn für Theo Schweisthal zur Verfügung. Einige Instrumente wurden natürlich auch neu gekauft. Ferner war ein Dirigent zu verpflichten. Hierfür fand sich Herr Hermann Mallmann aus Alken, der in früheren Jahren auch schon die Prozession zum Bleidenberg mitgespielt hatte. Rudi Möntenich und Clemens Thelen wurden beauftragt, in Koblenzer Musikgeschäften (Musikhäuser Haseneier und Klein) Noten zu kaufen (Kirchen- und Prozessionslieder, Volkslieder, Noten für Trauer-Anlässe). Die erste Probe der Bläsergemeinschaft mit Dirigent Hermann Mallmann konnte am Samstag, dem 15. Dezember 1956 stattfinden. Der Samstag als Probetag wurde jahrelang beibehalten (u.a. wohl auch mit Rücksicht auf Robert Schunk, der ja die Woche über beruflich im Sauerland weilte und nur am Wochenende anwesend sein konnte). Die Proben waren für die jungen, begeisterten Musiker ein Ereignis, auf das man sich – wie auch auf das sich anschließende gesellige Zusammensein –schon die ganze Woche freute. Man setzte alles daran, nur keine Probe auslassen zu müssen. Kurze Zeit nach der Gründung kamen dann noch zwei weitere neue Mitglieder in die Bläsergemeinschaft nämlich Fritz Seibert (Trompete) und als damals allerjüngster Musiker von gerade mal 11 Jahren Josef Weber (ebenfalls Trompete). In der Folgezeit wurde dann fleißig geprobt, es zeigten sich gute Fortschritte, das war auch wichtig, arbeitete man doch auf das Ziel hin, bereits am kommenden Dreifaltigkeitssonntag mit der neuen Kapelle die Prozession zum Bleidenberg zu spielen. Auch wurde jede sich bietende Gelegenheit genutzt, das bereits Erlernte öffentlich darzubieten. Z.B. konnten am Weißen Sonntag 1957 die Erst-Kommunion-Kinder mit feierlicher Musik von der alten Volksschule im Alkener Weg zur Kirche geleitet werden (übrigens: unser heutiger Dirigent Gottfried Thelen und Chronist Gerd Mallmann, beide im gleichen Schuljahrgang, gehörten zu den damaligen Kommunionkindern). Erwähnt werden soll auch, dass im Herbst 1956 in Oberfell ein neuer Pfarrer, Hochwürden Walter Leonards eingeführt wurde. Pastor Leonards, der sich in der Folgezeit sehr für die Belange der Bleidenberger Kirche und der Prozession zum Bleidenberg engagierte und auch ein großer Freund der Musik (er selbst spielte sehr gut Orgel), und auch der Blasmusik war, nahm sehr positiv auf, dass man gerade dabei war, eigens für die Mitwirkung bei der Prozession zum Bleidenberg eine Blaskapelle zu gründen. So hatte die junge Bläsergemeinschaft in Pfarrer Leonards einen guten Freund gefunden. Als Pfarrer Leonhard im Mai 1957 eine Segnung Oberfeller Fahrzeuge auf dem damaligen Kirmesplatz im Unterdorf vornahm, durfte die Bläsergemeinschaft mitwirken.
Am Pfingstmontag 1957 fand dann die „Generalprobe“ für die Dreifaltigkeitsprozession statt, bei der mit Musik bis hinauf zum Bleidenberg gespielt wurde. Vorher hatte man auf kürzeren Strecken das Bachtal hinauf geübt, da ja auch das Musizieren im Gehen erlernt werden musste (Gleichschritt, Gehen in Reih und Glied, Einhalten von Vordermann und Seitenrichtung, Einschwenken etc.). Dann kam der große Tag. Es war Sonntag, der 16. Juni 1957 Folgende 17 Musiker (Dirigent Mallmann inbegriffen) machten damals den Weg zum Bleidenberg mit: obere Reihe v.l.n.r.: Andreas Lellmann, Theo Schweisthal, Johann Adam Schunk, Herbert Schunk, Andreas Ackermann, Robert Schunk, Ernst Verhagen, Adolf Fischer, Günter Thelen, Hermann Mallmann (Dirigent) untere Reihe: Willi Lellmann (1. Vorsitzender), Richard Fischer, Erwin Kühn, Rudi Möntenich, Josef Weber, Clemens Thelen, Fritz Seibert
Neben den inzwischen 14 Vereinsmitgliedern ließen es sich noch zwei von den „alten“ Bleidenberg-Musikern, Andreas Ackermann (Dehle Andris) und Johann Adam Schunk (Hann - Arem) nicht nehmen, noch einmal zu den Instrumenten zu greifen, um mit zum Bleidenberg zu gehen. Für diese beiden Senioren war es ein Erlebnis und ein würdiger Abschluss ihrer „Prozessions-Karriere“. Inzwischen gab es auch schon ein neues Instrument: Man hatte das schon hochbetagte Helikon (Basshorn) das von Matthias Probst aus Alken zur Verfügung gestellt worden war, inzwischen durch eine nagelneue Tuba, teilweise gesponsert von Adolf Fischer, der sie auch spielte, ersetzt.
Als einheitliche Kleidung trug man, da es ja noch keine „richtige“ Uniform gab, schwarze Hosen und dazu – es war an diesem Frühsommer-Sonntag schon vormittags sehr heiß – weiße, kurzärmelige Hemden ohne Krawatte.
Von der Oberfeller Bevölkerung sowie von allen Prozessionsteilnehmern, insbesondere natürlich vom Herrn Pastor Leonards wurde dieser erste erfolgreiche Auftritt mit großer Begeisterung aufgenommen. Und so war es klar, dass die Bläser-Gemeinschaft am nachfolgenden Fronleichnamstag ebenfalls wieder in der Prozession mitspielte.
In der Folgezeit wirkte die Bläsergemeinschaft bei zahlreichen kirchlichen, aber auch weltlichen Veranstaltungen des Dorfes mit, wie Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal, Christmette in der Kirche, Martinsumzüge, Geburtstagsständchen und Goldene Hochzeiten. Im Oktober 1957 wurde dann das erste Musikfest der Bläsergemeinschaft gefeiert, über das an anderer Stelle noch berichtet wird. Besonders erwähnt sei hier nochmals der Besuch des befreundeten Musikvereins Oeventrop, der das Gründungsfest musikalisch maßgeblich gestaltete.
Angeregt durch das, was die Musiker aus Oeventrop an Musikalischem beim Fest geboten hatten, sah man, was auch bei uns über die kirchliche Musik und Volkslieder hinaus möglich werden könnte. Und so entschloss sich die Bläsergemeinschaft, ihr Repertoire auf weltliche Musik - Marschmusik, Konzertstücke, Stimmungsmusik - zu erweitern. Zumal man sich davon auch versprach, künftig vielleicht auch über die Ortsgrenzen hinaus bekannt zu werden und bei Festveranstaltungen in der näheren oder gar weiteren Umgebung mitwirken zu können. Dies würde dann auch Geld, das zur Unterhaltung der Kapelle und zur Bestreitung der anfallenden Kosten benötigt wurde, hereinbringen.
Für die Marschmusik wurden auch Schlaginstrumente benötigt. Eine dicke und eine kleine Trommel stellte Adolf Fischer zur Verfügung. Es waren die Instrumente, die er früher schon bei der „Anthony Even-Band“ als Schlagzeug benutzt hatte. Eine nagelneue dicke Trommel und Becken wurden dann im Juni 1958 angeschafft. Gespielt wurde sie von Anton Junglas, und ebenso wie er war auch Alois (Ali) Malke im Jahr 1958 zur Bläsergemeinschaft hinzu gestoßen, der sich eine nagelneue kleine Trommel angeschafft hatte.
Doch nicht nur Blech-Blasinstrumente gehören zu einer kompletten Besetzung eines Blasorchesters, nein, es sollte auch „das Holz“ besetzt sein. Und hier hatte bereits im Dezember 1957 Dieter Jenczewski aus Alken mit seiner Klarinette den Anfang gemacht.
Im Mai 1958 übergab dann der erste Dirigent Hermann Mallmann den Taktstock an Manfred Link aus Kattenes, der zur dortigen „Volks-Blaskapelle“ gehörte und hier bei uns auch gleich zwei weitere Jugendliche (Klemens Dott, Bariton und Reinhold Seibert, Posaune) ausbildete. Mit diesem Dirigentenwechsel und dem Übergang von ausschließlich kirchlicher Musik auch zu weltlicher Musik kann man die Gründungsphase als abgeschlossen betrachten.
Zu erwähnen sei noch, dass die Kapelle sich nun bald einer Stärke von 20 Musikern näherte, zumal Richard Fischer, dabei war, vier weitere junge Musiker auszubilden, zu denen auch der heutige Dirigent Gottfried Thelen gehörte. Wie es dann mit der Bläsergemeinschaft „Mosella“ weiterging, wie sie sich fortentwickelte, zu ihrer ersten Uniform kam, wie sie über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und beliebt wurde und ihre Kontakte auch zu anderen Musikkapellen knüpfte, darüber wird in weiteren Kapiteln dieser Chronik sowie in der „Zeittafel“ noch mehr zu lesen sein.
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