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Bleidenberg
Der Hausberg der Oberfeller, der „Bleidenberg“, erhebt sich 200 m über dem Moseltal. Die Hochfläche gehört zu der stark zerteilten Hauptterrassengliederung des Flusstales und ist Rest eines mächtigen quartären Schotterkörpers der Mosel. Neben steinzeitlichen Funden zeichnet sich der Bleidenberg besonders durch eine La-Te`ne-zeitliche Befestigung, vermutlich aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, aus, die nicht nur sehr gut erhalten, sondern zu Anschauungszwecken im Rahmen des Themenweges „Zeitreise“ streckenweise auch rekonstruiert worden ist. Zurzeit noch laufende Ausgrabungen an der Toranlage dieser Befestigungsanlage haben zur Überraschung der Beteiligten umfangreiche Reste einer gemauerten Befestigung der vermuteten Blidenstellung der Belagerer von Burg Thurant 1246/48 zutage gebracht.
Nach der Überlieferung soll der seinerzeitige pfalzgräfliche Marschall und Burgvogt Zorno die Umgegend und insbesondere Kölner und Trierer Untertanen beraubt und drangsaliert haben. Für Erzbischof Arnold von Isenburg war dies ein Dorn im Auge. Zwei Jahre zog sich die Belagerung hin, während derer der Trierer mit Hilfe des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden die Burg nicht nur von der Außenwelt abschnitt, sondern auch durch Bliden von dem daher noch heute so genannten Bleidenberg aus beschoss. Dabei sollen die Belagerer 3000 Fuder Wein getrunken haben.
Zum Gedenken an diesen Sieg wurde von den beiden Erzbischöfen auf dem Bleidenberg eine Wallfahrtskirche gestiftet, deren Ursprung aber deutlich älter ist. Nachweislich stand schon vor der Thuranter Fehde eine Marienkapelle auf dem Bleidenberg. Aus diesem Grund begannen 1248 die Pilgerfahrten erneut. Jedenfalls sah sich Arnold II. von Isenburg, Erzbischof von Trier, im Jahre 1253 veranlasst, den Besuchern der Gnadenstätte einen Ablass von zehn Tagen für jeden Pilgerbesuch auszuschreiben. Dass es ein Gnadenort war, brachte der Erzbischof mit den Worten zum Ausdruck: „Der Herr hat um der Verdienste seiner Mutter, der allerheiligsten Jungfrau Maria, an dem seit Menschengedenken hochgerühmten Orte Bleidenberg offensichtlich Wunder gewirkt. Blinde haben das Augenlicht wiedererhalten, Tauben wurde das Gehör wiedergegeben, Lahme und andere an mannigfaltigen Gebrechen Leidende wurden geheilt...“
Die Gnadenstätte wurde sehr schnell berühmt. Urkunden bezeugen hohe Kirchenprominenz, die sich für die Kirche aussprechen, wie z.B. der Bischof von Jerusalem (1256), Erzbischof Balduin (1321), Papst Bonifatius VIII. (1296) sowie auch Papst Johannes - Paul II. (1998). Jahrhunderte bildete die „Kirche auf dem Bleidenberg“ einen christlichen Mittelpunkt unserer Region, bis sie 1803 geschlossen wurde. Die Wallfahrten wurden verboten und die Kirche zum Staatseigentum erklärt. Die Kirche wurde bald zur Ruine. Die starken Mauern widerstanden jedoch. Der Westgiebel trotzte mehr als hundert Jahre den aus dem Wetterloch des Westens über ihn hinbrausenden Stürmen.
Auch in ihrem Verfall übte die Kirche ihre uralte Anziehungskraft auf die Bewohner unserer engen Heimat aus. Zwar blieben die Scharen der auswärtigen Pilger aus, doch immer lenkten die Oberfeller ihre Schritte zur Trösterin der Betrübten auf den Bleidenberg. Dies bewog dann Pfarrer Cornely von Oberfell (1848-1860), von der Kirche zu retten, was noch zu retten war. Das Chor wurde mit einem neuen Dach versehen, durch die Stirnwand geschlossen, und ein neuer Altar, den heutigen, hineingestellt. Aufs Neue zogen an den Dreifaltigkeitssonntagen von der Pfarrkirche Oberfell die Gläubigen hinauf zum Bleidenberg. Im Jubiläumsjahr 1948 (700 Jahre) wurden Kapelle und Chor mit einem neuen Dach versehen und ein Kirchenfenster erneuert. 1962 wurde auf Initiative von Pfarrer Leonards das gesamte Gemäuer gesichert und mit einem Dachstuhl versehen.
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Für die Oberfeller, aber auch für die gesamte Region, hat die Kirche immer noch eine große Anziehungskraft. Jährlich pilgern u.a. am Palm- und Dreifaltigkeitssonntag die Menschen in großen Prozessionen auf den Bleidenberg. Seit 1994 wurde ein Gremium vom Kirchenchor „Cäcilia“ Oberfell mit dem Ziel ins Leben gerufen, das Bewusstsein für die Kirche zu beleben, die Geschichte zu erforschen und die Baulichkeit wieder in einen guten Zustand zu versetzen. Mit großem Erfolg werden Serenadenkonzerte zur Finanzierung der Ziele durchgeführt. Für über 30.000 € konnten bisher Maßnahmen wie die Errichtung der Portaltreppe, Portaltor, Beleuchtung sowie zwei Schriften in die Tat umgesetzt werden. Die kulturtreibenden Vereine beteiligen sich selbstverständlich kostenlos an diesen Benefizveranstaltungen.
Auch der Musikverein „Mosella“ Oberfell hat seine Wurzeln in der Wallfahrt zum Bleidenberg. 1955 gründete sich der Verein mit dem Ziel, die Prozession musikalisch zu begleiten. Eine Verpflichtung, die auch noch heute zum 50-jährigen Bestehen immer noch an erster Stelle der „Mosella“ steht.
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